Tschernobyl und Hamm: Parallelen und Chancen

Leserbrief von Claus Schroeter für den WA

Zu den Berichten über die Atomkatastrophe in Tschernobyl vor 30 Jahren

tchernobylAnläßlich des 30. Jahrestages Thernobyl muss daran erinnert werden, dass zum gleichen Zeitpunkt (wirklich zufällig ?), als die radioaktive Wolke über Europa trieb und auch in Hamm z.B. Spielplätze und Sandkisten für Kleinkinder gesperrt wurden, sich erst einige Tage und Wochen später und erst auf Nachfrage von Bürgerinitiativen zugegeben, ein paralleler Schaden ereignete. In Folge dessen und der damaligen Verheimlichung geriet daraufhin der THTR, ohnehin zeitlich mehr in Stillegung als im Betrieb, in die Schlagzeilen. Einzelne Leser werden sich noch an den Aufmacher im WA „Wo bleibt der Staub aus dem Reaktor“, an Themen wie „Kugelbruch“, und an die als absolut sicher dargestellten „Castor-Behälter“ erinnern. Diese Behälter, so der Vertreter des Landes NRW in der Rats-Sondersitzung, hätten schließlich einen Grenzwertgeber, der von ganz alleien mitteilt, wenn eine Undichtigkeit vorliegt (wohlgemerkt: gefüllt mit radioaktivem Abfall!), und diese Mitteilung sollte erfolgen während des Castor-Transportes durch Wohngebiete des ganzen Bundeslandes. Aber schließlich mußte die Einlagerung und der „sichere Einschluß“ am Ort des Entstehens erfolgen.

Alle dies wurde damals in unserer Stadt erreicht, weil eine kleine Gruppe besorgter Bürger mit der BI Umweltschutz mit ihren Fragen, Stellungnahmen und Schlußfolgerungen immer schneller war als Betreiber und Aufsichtsbehörden. Die damalige OB hatte es jeweils zugelassen; Danke und großer Glückwunsch an Sabine Zech!

Die Entwicklung ist weitergegangen und führte nach dem zweiten Reaktorunfall Fukushima am 11. März 2011, vor erst 5 Jahren, zu einer sinnvollen politischen Konsequenz, dem schrittweisen Ausstieg aus der Atomwirtschaft in Deutschland.

Aber auch heute sind noch viele Fragen ungelöst, mindestens 6 Fragen: die Endlagerdiskussion, die risikobehafteten Zwischenlager, der noch immer andauernde Atommülltourismus, die Brennelemente-Aufarbeitung und die nächtlichen Transporte durch das gesamte Münsterland infolge Ahaus und Gronau und die luftumspülte Lagerung der Castor-Behälter. Und aktuell kommt hinzu die Stilllegungsdiskussion belgischer und französischer Reaktoren. Engagierte Bürger, die sich nicht scheuen, den Finger in die Wunde zu legen, werden also weiter gebraucht.

Und heute erschien es mir wichtig, daran zu erinnern, daß vor 30 Jahren – so ganz etwas –die Entwicklung einmal von Hamm ausgegangen ist.

Hamm, den 26. April 2016
Claus Schroeter, Hamm,
heute Netzwerk MigrationsMedizin
damals THTR-Abschalter

Erneuerbare Energien für Hamm